Aus DVU- wird NPD-Fest

(Der komplette Artikel, mit Links und Bildern unter
http://antifabernau.blogsport.de/2011/06/05/aus-dvu-wird-npd-fest/)

Am 25. Juni wollen Nazis ein Sommerfest mit Nazibands in der Schorfheide
(Barnim) veranstalten

Mit deutscher Bratwurst, Bier, Kinderschminken und einem halben Dutzend
Nazimusikern organisieren die Naziparteien DVU und NPD am 25. Juni ein
Sommerfest in der Schorfheide. Seit nunmehr vier Jahren nutzen die Nazis
dafür das Gelände des DVU´ lers Klaus Mann im Ortsteil Finowfurt.

Das Sommerfest um die sogenannte Sommersonnenwende wird seit über 10
Jahren vom Landesverband der DVU ausgerichtet. Mit der Fusion von NPD
und DVU auch im Land Brandenburg sowie dem Übertritt von Mitgliedern und
Mandatsträger_innen, wird das Fest in diesem Jahr erstmals offiziell
durch den NPD-Kreisverband Barnim-Uckermark ausgerichtet. Auf der
Internetseite des DVU- Landesverbandes heißt es dennoch: „Auch in diesem
Jahr organisieren wir wieder ein Sommerfest in der Schorfheide.“
Unterschrieben haben die Einladung Klaus Mann und Bärbel
Redlhammer-Raback, beide sind eifrige Befürworter der Parteifusion
[siehe auch: Inforiot „NPD von Innen“].

Klaus Mann, Ansprechpartner der DVU für Nordbrandenburg forciert seit
Jahren eine enge Zusammenarbeit zwischen DVU, NPD und Kameradschaften.
Sein Gelände in der Schorfheide ist Dreh- und Angelpunkt für
parteiübergreifende Aktivitäten [siehe AAB „Pragmatismus im Barnim“]. In
den vergangenen Jahren hatten nach eigener Aussage bis zu 500 Gäste an
dem Fest teilgenommen.

*Nazibands aus Berlin, Brandenburg und Thüringen*
Auch in diesem Jahr stehen Familienfestcharakter mit Kinderschminken,
Basteln und Hüpfburg und neonazistisch, martialischer Rechtsrock
nebeneinander.
Für den 25. Juni kündigt die NPD die Band „Legion of Thor“ aus Berlin
an, die mittlerweile schon als Haus- und Hofband von Klaus Mann gelten
kann. Mann zeigt deutlich seine Verbundenheit mit der Band durch
T-Shirts und diverse Konzerte in den letzten Jahren. Die neonazistische
Band ruft in ihren Liedtexten zu Gewalt gegen Migrant_innen auf. Eines
ihrer Lieder wurden wegen dem „Aufruf zum Rassenhass“ indiziert. Im Bild
rechts ein Eberswalder Neonazi mit „Legion of Thor“ Pullover [Mehr zur
Band bei Oireszene].

Neben dem Liedermacher „Toralf“, der im Juli für die NPD in Oberbayern
auftreten soll, werden die beiden Brandenburger Nazibands „Preußenstolz“
aus Potsdam und „Exzess“ aus Strausberg auftreten.

Nach Angaben der Antifa-Recherchegruppe Potsdam ist Sänger von
„Preußenstolz“ der Neonazi Patrick Danz (Bild links). Die Band, die nach
eigenen Angaben seit 2007 in wechselnder Besetzung zusammen spielt,
sollte 2008 bei einem Konzert für den krebskranken Liedermacher Michael
Müller auftreten – am selben Abend wollte man eine CD und DVD für das
Netzradio Germania aufnehmen. Die Veranstaltung, die nach dem Verbot in
der Schorfheide in die Schönower Dorfkneipe „Alter Dorfkrug“ (Bernau)
auswich, wurde von der Polizei aufgelöst.

Die Band „Exzess“ aus Strausberg, deren Drummer Patrick Alf (Bild
rechts) sich 2008 bei den Brandenburger Kommunalwahlen für die DVU
aufstellen ließ, trat erstmals auf dem Sampler „Gefahr im Verzug des
Neonazilabels „Panzerbär Records“ in Erscheinung. Die junge Band covert
gern Lieder der Landser-Nachfolgeband „Lunikoff Verschwörung“. In diesem
Jahr soll die Band beim Pressefest der Deutschen Stimme auftreten. Das
Fest der NPD-Parteizeitung gilt als der größte Rechtsrockevent in
Deutschland. Durch eine Vielzahl von Konzerten in den vergangenen
Jahren, u.a bei einem NPD-Fest in Biesenthal (Barnim), hat die Band
bundesweit an Bedeutung gewonnen.

Die Thüringer Band „KinderZimmerTerroristen“ (Bild rechts) hält
ebenfalls Kontakte zur NPD. Eines der Band-Mitglieder ist Norman
Helbing, Schatzmeister der NPD im Kyffhäuserkreis. Die ebenfalls recht
junge Band, bewarb 2008 eine Demo-CD im Naziforum Thiazi. Außerdem heißt
es, der Sänger sei vorher bei der Band „Celtic Dawn“ gewesen.

*Kontinuität des Rechtsrock im Barnim*
Als Ort für Rechtsrockkonzerte und neonazistische Feste ist das Gelände
in der Schorfheide seit mittlerweile vier Jahren etabliert. Gelegentlich
wurden Veranstaltungen durch die Polizei unterbunden oder beendet. Eine
wirkliche Handhabe gibt es gegen das Treiben auf dem Privatgrundstück
von Mann jedoch nicht. Mit sechs Konzerten im Jahr 2010 ist es laut
Zählung des Brandenburger Verfassungsschutzes der Veranstaltungsort
Nummer 1 für rechte Konzerte im Land. Auch der Preußentag der NPD am 2.
Oktober 2010, mit Nazibands wie „Preußenfront“ aus Bernau oder
„Preußenstolz“ aus Potsdam, fand auf dem Gelände in der Nähe der Stadt
Eberswalde statt. In den Jahren zuvor fanden die Feste auf Manns
ehemaligem Grundstück in Seelow (Barnim) statt. Neben der Schorfheide,
spielen im Barnim der „Alte Dorfkrug“ in Schönow (Bernau) und das
Gelände in Biesenthal, das seit 2008 durch die NPD genutzt wird, eine
bedeutende Rolle für die Musikszene in Brandenburg.

*NMV Versand mit Inhaberwechsel beim Fest dabei*
Auch beim Fest vertreten sein wird neben dem Zentralversand von Rene
Herrmann, Administrator der Homepage der NPD Barnim- Uckermark, auch der
Eberswalder NMV Versand. Der bisherige Inhaber des Versandes Gordon
Reinholz, betreibt im naheliegenden Eberswalde einen Laden für die
Naziszene. Immer wieder heißt es, der Laden stehe kurz vor der Pleite.
Auch der Versand scheint in der Krise zu stecken, seit Kurzem wird auf
der Internetseite des NMV Versand der Joachimsthaler Christian
Banaskiewicz als Verantwortlicher geführt. Banaskiewicz, wie Reinholz
ehemaliger Aktivist des aufgelösten Märkischen Heimatschutzes, betreibt
die Internetversände „Rockshop66“, „4Skins“ und „FightBack24“.

*Sonnenwendfeier als fester Bezugspunkt der Naziszene*
Das Datum des Sommerfestes ist wie immer um den 21. Juni gelegt. Die
Sonnenwendfeier gilt in der Naziszene als Rückbesinnung auf germanische,
heidnische Wurzeln; das Volk sowie Blut und Boden. Nicht zufällig wird
daher in der Programmankündigung besonders hingewiesen „Nicht zu
vergessen zur Sonnwende die traditionelle Feuerrede.“

*Gegenproteste und Wahrnehmung in der Region*
Auf Grund der abgelegenen Lage von Manns Grundstück waren
antifaschistische Proteste in den vergangenen Jahren wenig konfrontativ.
Auch die öffentliche Wahrnehmung blieb beschränkt. Zwar gab es in den
Jahren 2008 und 2009 Proteste in Form von Kundgebung und Demonstration,
doch ließen sich die Nazis von DVU, NPD und Kameradschaften davon nicht
beeindrucken. Die Gemeinde Schorfheide liegt 20 Kilometer von der
Barnimer Kreisstadt Eberswalde entfernt. Eine Demonstration mit 200
Antifaschist_innen, wie wir sie 2009 gemeinsam mit weiteren
Brandenburger Gruppen organisiert hatten, hatte im entfernten Eberswalde
wenig Wirkung. Während mit Sybille Mann (im Bild rechts zusammen mit
Klaus Mann) sogar eine DVU´lerin in der Gemeindevertretung sitzt,
scheint die Gemeinde Schorfheide, genauer der Bürgermeister Uwe
Schoknecht, kein Problem mit dem Nazifest zu haben – in der
Vergangenheit hatte er sich sogar gegen antifaschistische Gegenproteste
vor Ort ausgesprochen.

Antifaschistische Aktion Bernau, Juni 2011.

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Über Jugendbündnis F.E.T.E.

Das F.E.T.E. ist ein Bündnis aus jungen Leuten, das sich in der Stadt Eberswalde und Umgebung gegen Rechtsextremismus und insbesondere gegen rechte Subkultur engagiert.
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