F.E.T.E unterstützt den Aufruf der Willkommensinitiativen: Willkommen? Ja! Aber wo und wie?

Willkommensinitiativen fordern einen Steuerungsausschuss des Kreistages und eine an den Bedürfnissen der Flüchtlinge orientierte Unterbringung

Im Land Brandenburg werden im laufenden Jahr mindestens 6000 Flüchtlinge
aufgenommen – und natürlich sind auch mehrere Hundert im Barnim zu erwarten (MOZ,
1.7.2014).
Die Barnimer Willkommensinitiativen begrüßen die Aufnahme schutzsuchender
Menschen im Barnim. Vor dem Elend der Flüchtlinge aus dem Irak, aus Syrien und
anderen Krisenregionen dürfen wir nicht die Augen verschließen. Wir freuen uns, dass
es nicht nur Ablehnung gibt: viele Menschen im Barnim sorgen für eine lebendige
Willkommenskultur. So haben sich in Wandlitz, Panketal, Eberswalde, Bernau,
Biesenthal, Joachimsthal und Oderberg Initiativen gebildet, die sich für die im Barnim
lebenden Flüchtlinge einsetzen.
Jetzt verdichten sich die Anzeichen, dass der Landkreis Barnim plant, im entlegenen
Oderberg eine neue Flüchtlingsunterkunft zu errichten. Sie soll Wohnraum für 100 – 150
Flüchtlinge bieten.
Wir sind mit der Informationspolitik des Landkreises nicht einverstanden. Wir haben den Eindruck, dass lediglich finanzielle und wohnungsmarktpolitische Gründe für die
Zuordnung von Flüchtlingen in bestimmte Orte angewendet werden. Darüber hinaus gibt
es aber Kriterien, die sich an den Bedürfnissen der Flüchtlinge und an der
Bevölkerungsdichte im Landkreis orientieren. Hier sind die längerfristig aktiven Initiativen vor Ort kompetent und sollten unbedingt gehört werden.
Darum appellieren wir an die Abgeordneten des Kreistages:
Berufen Sie bitte einen Steuerungsausschuss des Kreistages ein, der kompetent,
handlungsfähig und transparent die weitere Aufnahme, Unterbringung und fachgerechte
Begleitung von Flüchtlingen im Barnim koordiniert.


Beauftragen Sie bitte eine Ombudsfrau, einen Ombudsmann oder ein Ombudsgremium
des Kreistages für Zuwanderung, wohin sich Barnimerinnen und Barnimer bei Problemen im Zusammenhang mit der Aufnahme Schutzsuchender wenden können.
Wir Barnimer Willkommensinitiativen und die Schutzsuchenden selbst wollen in die
Planungen mit einbezogen werden. Das gilt nach allen Erfahrungen insbesondere bei
großen und eher „abgelegenen“ Einrichtungen.
Viele Flüchtlinge brauchen nach ihrer Ankunft in Deutschland ärztliche und psychologische Begleitung, müssen sich völlig neu orientieren und dürfen keine Fristen
versäumen. Es ist sehr wichtig, dass sie schnell Kontakt zu Menschen finden, die ihre
Sprache sprechen. Auch deswegen sind sie besonders auf eine funktionierende und
bezahlbare Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Auch die Chance,
Kontakte zu knüpfen und Unterstützung zu erfahren, steigt mit der Größe der Orte. Wir
fordern darum, Flüchtlinge nur in den größeren Ortschaften entlang der Barnimer
Bahnlinien unterzubringen.

Oderberg mit 2100 Einwohner_innen und derzeit etwa 40 Flüchtlingen ist zu abgelegen und zu klein für ein weiteres großes Übergangswohnheim.
Wir unterstützen die Haltung des Landkreises, die Schutzsuchenden so schnell wie möglich nach ihrer Ankunft dezentral in Wohnungen unterzubringen. Die Situation besonders in großen Übergangswohnheimen ist mit sozialem Stress verbunden und
führt immer wieder zu Retraumatisierungen von Flüchtlingen. Ihr Zurechtfinden in der
Gesellschaft wird durch eine längere Heimunterbringung unnötig erschwert. Darum bitten
wir die Abgeordneten des Kreistages, dass sie sich mindestens jährlich über die
Unterbringung und Begleitung von Flüchtlingen im Barnim unterrichten lassen.
Unsere Erklärung soll dazu beitragen, dass sich im Barnim weiterhin Strukturen
entwickeln, wo sich Schutzsuchende willkommen fühlen und positive Erfahrungen
machen können.
Die freundliche und Kontakte ermöglichende Aufnahme von Menschen, die aus
unterschiedlichen Gründen aus ihrer Heimat fliehen mussten, kommt einheimischen und
zugewanderten Menschen zugute. Ehrenamtliche Unterstützung ist freiwillig und
begrenzt, gerade bei qualifizierten Übersetzungsleistungen und fachkompetenter
Beratung. Der Kreistag sollte also auch Geld in die Hand nehmen, um diese
Herausforderungen so gut wie möglich zu gestalten.
Anschläge, Übergriffe und Hetzveranstaltungen gegen Flüchtlinge nahmen zu. Die
„Chronik der Gewalt – Rechte Hetze gegen Flüchtlinge“ kann eingesehen werden unter
https://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/meldung/rechte-hetze-gegen-fluechtlingeeine-
chronik-der-gewalt-2014-03
Weitere Informationen finden Sie unter http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/hetze oder
http://www.proasyl.de/de/home/gemeinsam-gegen-rassismus
Namens der Initiator_innen grüßen Sie
Dieter Gadischke, Bernau
Beate Gollnast, Biesenthal
Franz Grimm, Oderberg
Thomas Janoschka, Biesenthal
Beatrix Spreng, Joachimsthal
Juliane Steinigen, Biesenthal
Unterzeichnende der Erklärung:
Sebastian Walter, Eberswalde, Kreisvorsitzender DIE LINKE. Barnim, Stellvertretender
Landesvorsitzender DIE LINKE Brandenburg
Dorothea Martin, Eberswalde
Grit Beyer, Bernau
Vadim Beyer, Bernau
Nicolaj Beyer, Bernau
Andreas Beyer, Bernau
Hartwin Schulz, Eberswalde
Flüchtlingsrat Brandenburg, Potsdam
Gundula Schoepp, Bernau
Ulrike Wolter, Eberswalde
Mandy Marchwat, Oderberg, Stadtverordnete
Judith Dubiel, Wandlitz, Runder Tisch für Toleranz
Ruth Brinkmeier, Chorin
Amadeu Antonio Stiftung, Berlin
Thomas Mboya, Bernau
Steffen Ehlert, Eberswalde, Barnimer Kampagne „Light Me Amadeu“ und Runder
Tisch „Willkommen in Eberswalde“
Josie Rücker, Biesenthal
Projekthaus Potsdam Babelsberg, Potsdam
Antifaschistische Aktion Bernau, Bernau
Bernd Trögel, Wandltiz, Runder Tisch für Toleranz
Kontakt- und Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt Bernau, Bernau
Anne Beittel
Bill Beittel
Initiative „Solidarität für AsylbewerberInnen“, Eberswalde
Mike Hartmann
Ilona Frank
Maria Theresa Jessen
Martin Wyschka
Tobias Nagel
Lea Sommer
Ina Krahl
Felix Gaehler
Josephine Löwenstein, Biesenthal
Lena Domeyer, Biesenthal
Anne Schulz, Biesenthal, Stadtverordnete
Bernd Micka, Biesenthal
Claudius Loga, Biesenthal
Lokale Agenda 21 Biesenthal e.V., Biesenthal
Heike Müller, Biesenthal, Stadtverordnete Bündnis90/ Die Grünen
Axel Vogel, Eberswalde, Landtagsabgeordneter Bündnis 90/ Die Grünen
Stefan Böhmer, Wandlitz, Fraktionsvorsitzender B90/ Die Grünen im Kreistag Barnim
Kerstin Paul, Biesenthal
Santje Winkler, Berlin
Florian Görner, Breydin OT Klobbicke, Jugendbündnis Für ein tolerantes Eberswalde
(F.E.T.E)
Wukania Projektehof, Biesenthal
KuBiB e.V., Cöthen
biF e.V. (Träger des Jugendtreffs Dosto), Bernau
Wir bitten engagierte Initiativen, Gruppen, Abgeordnete, Gremien, Kirchengemeinden
und Einzelpersonen: Wenn Sie diese Erklärung unterstützen können, teilen Sie uns dies
– trotz Urlaubszeit – möglichst bald per Mail mit: beategollnast@so36.net
Auch wenn Sie die Erklärung nicht unterstützen können, sind wir sehr an Ihrem
Feedback interessiert.
Die nächste Sitzung des Kreistages findet am Mittwoch, 27.08. um 17 Uhr im
Eberswalder Kreishaus statt.
Gerade wird diese Erklärung in mehrere Sprachen übersetzt, so dass auch viele
Flüchtlinge diese lesen können. In Gesprächen mit Flüchtlingen erfahren wir immer
wieder Erschreckendes über die Erfahrung der Unterbringung in Althüttendorf. Aber auch
Wünsche und Forderungen zu einer vernünftigen Unterbringung werden geäußert. Liebe
Flüchtlinge, schreibt uns doch bitte eure Erfahrungen, Wünsche und Forderungen auf.
Wir werden versuchen für ihre Verbreitung zu sorgen.

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Über Jugendbündnis F.E.T.E.

Das F.E.T.E. ist ein Bündnis aus jungen Leuten, das sich in der Stadt Eberswalde und Umgebung gegen Rechtsextremismus und insbesondere gegen rechte Subkultur engagiert.
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