Gut besuchte Veranstaltung „Still ruht der See“ im Amadeu Antonio Haus Eberswalde

Still ruht der SeeDie Veranstaltung „Still ruht der See – Eberswalde nach den Mord an Amadeu Antonio“ war gut besucht. Beleuchtet wurde, wie die Stimmung in Eberswalde nach dem Mord an Amadeu war. Dazu lasen wir aus Zeitungsartikeln und Dokumenten aus der Zeit nach 1990 und veranstalteten eine Diskussionsrunde mit Zeitzeugen, u.a. die damalige Partnerin von Amadeu Antonio, Gabriele Schimansky sowie Mioses Mvuama und Augusto Jone Mujunga vom afrikanischen Kulturverein Palanca.
Der Mob, der Amadeu jagte, war mitnichten ein Einzelfall: es gab mehrere Übergriffe, Prügeleien und Einbrüche, wenn auch nicht mit tödlichen Ausgang, wie die Lesung von verstörenden Medienberichten und Dokumenten aus der Zeit zeigte. Auch der Umgang der Öffentlichkeit mit dem Fall spricht Bände: gerne wollte man den Mord als Kneipenschlägerei abtun und rassistische Mobs in Eberswalde nicht als generelles Problem der Mehrheitsgesellschaft wahrhaben, sondern eher als Einzelfälle und Randphänomene. Auf die Frage woher dieser „plötzlich Ausbruch des Rassismus“ kommt, kam einhellig die Antwort dass dieser schon vorher existierte aber im DDR-Staat unter der Decke gehalten wurde. Erst die Wende brachte den Rassismus offen zu Tage.

Was hat sich bisher in Eberswalde verändert?

Gerne wird angemerkt, dass sich Eberswalde seither viel geändert hat. Das mag sicher zum Teil stimmen: auch unsere Veranstaltung zeigte zaghafte Versuche damaliger Initiativen sich gegen den Rassismus in der Stadt zu Wehr zu setzen und ein neues Klima zu etablieren. Rassistische Mobs, die Jagd auf Schwarze machen und deren Frauen nachts überfallen, gibt es in Eberswalde sicher nicht mehr und auch keine Zeitungen, die gerne das Wort „Neger“ für die Opfer verwenden. Trotzdem bleibt noch viel zu tun: erst 2012 gab es eine hässliche Debatte um den Vorschlag die Heegermühler Straße in Amadeu-Antonio-Straße umzubenennen. In dieser Debatte gab es viele rassistische Ausfälle seitens derer, die die Umbenennung gerne verhindern wollten. Eberswalde gibt sich also nach außen gerne weltoffen und tolerant, im Innern existiert weiterhin ein tief sitzender Alltagsrassismus fort, wie in anderen Städten auch. Es bleibt also noch viel zu tun!

Hier kann man die Zeitungsartikel nachlesen, die auf der Veranstaltung z.T. verlesen wurden. (Achtung 30MB!)

Hier findet man die Berichterstattung der Märkischen Oderzeitung vom 28.02.15 zur Veranstaltung als Scan.

 

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Über Jugendbündnis F.E.T.E.

Das F.E.T.E. ist ein Bündnis aus jungen Leuten, das sich in der Stadt Eberswalde und Umgebung gegen Rechtsextremismus und insbesondere gegen rechte Subkultur engagiert.
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